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Wie Du schönes Spiel erkennst

by Grit Perkampus

Verhaltensweisen im Spiel

Nicht jede Begegnung zwischen Hunden ist Spiel, und nicht alle Spielsituationen sind für alle beteiligten Hunde schöne Erfahrungen, denn:

  • Spiele können ernst werden.
  • Spielstile können nicht zusammenpassen.
  • Mancher Hund könnte Angst bekommen.
  • Spiele können zu schnell und intensiv werden.
  • Die Erregung geht bei den Spielpartnern zu hoch, und die Kommunikation wird unsauber.

Es gibt nur selten das ideale Spiel zwischen zwei (oder mehr) Hunden. Wenn, dann findet es sich eher bei Hunden, die sich schon sehr vertraut und – im wahrsten Sinne – ein eingespieltes Team sind.

Bei anderen Konstellationen finden wir eventuell Verhaltenselemente, die uns nicht so sehr gefallen. Nicht immer ist dann ein sofortiger Spielabbruch notwendig. Solange die Anzeichen für schönes Spiel überwiegen, können wir es laufen lassen. Manchmal benötigen die Hunde auch nur etwas Zeit, um sich aufeinander einzustellen, und sie können das Spiel dann selber regulieren.

Wir können in Spielsituationen „schöne“ und „unschöne“ Verhaltensweisen identifizieren. Um Spielsituationen besser beurteilen zu können, empfiehlt es sich, nach genau diesen Verhaltensweisen Ausschau zu halten und mit Ampelfarben zu versehen. Andere Verhaltensweisen sind erstmal eher neutral.

Es gibt irrsinnig viele Verhaltensweisen, auf die wir achten können. Daher ist die folgende Liste sehr verkürzt

Was wir gerne sehen wollen:

  • Play bow / Vorderkörpertiefstellung & andere Initialspielsignale
  • Galopp / Hoppelgalopp / Zickzack-Galopp

In jedem Fall entscheidend ist das Ausdrucksverhalten der Hunde!

Hier soll noch einmal an das Spielgesicht, Self-handicap, weiche und überflüssige Bewegungen, Spielpausen etc. erinnert werden. Nur hieran kann man beispielsweise ein Rennspiel von einer Jagd unterscheiden!

Was wir auf keinen Fall sehen wollen:

  • Hochkampfstellung
  • Beißschütteln
  • Über-den-Rücken-Beißen, auch wenn es spielerisch ist

Nicht nur das Identifizieren von Verhaltensweisen, die wir nicht sehen wollen, ist wichtig, sondern auch, dass wir feststellen, ob wichtige Verhaltensweisen, die wir gerne sehen wollen, fehlen. Vermissen wir zum Beispiel Pausen und gebogene Körper, sollten wir genau hinschauen, ob es wirklich (noch) Spiel ist, was wir da sehen.

Weitere Verhaltensweisen:

  • Rempeln
  • Schieben
  • Anspringen
  • Frontalstehen
  • Spiellauern
  • spielerisches Anstoßen mit der Schnauze
  • Spielbeißen
  • Bepföteln

An dieser Stelle noch eine Bemerkung zum Spielverhalten erwachsener Hunde:
In der Vergangenheit sind wir eher der sehr engen Spiel-Definition gefolgt, wonach erwachsene und einander fremde Hunde nicht miteinander spielen. Denn laut dieser Definition dient Spielen dem Einüben von Verhaltensweisen für den Ernstfall. Dies sollte im Erwachsenenalter der Hunde abgeschlossen sein und ist es auch.

Wir möchten die Definition bevorzugen, bei der Spiel keinen Ernstbezug hat, keinen Zweck verfolgt, sondern einfach eine lustbetonte Betätigung ist. Diese Definition trägt auch dem Umstand Rechnung, dass noch erwachsene Hunde gerne Solitär- und Objektspiele spielen. Ohne Übungscharakter. Einfach nur, weil es Spaß macht. Und auf Sozialspiele trifft dies natürlich ebenso zu.


Die Aufgabe des Menschen: Beobachten

Wir Hundebesitzer sind gefordert, jedes Spiel im Auge zu behalten, vor allem dann, wenn die Hunde sich (noch) nicht (gut) kennen, oder wenn Alter oder Größe der Hunde auseinanderklafft.

Jedes Spiel hat bei (zu) hoher Erregung das Potenzial, in Ernstverhalten zu kippen, zum Beispiel weil Pausenwünsche des Gegenübers überlaufen werden oder mimische Veränderungen nicht mehr wahrgenommen werden.

Auch kommt es vor, dass Hunde sich beim Spielen versehentlich wehtun, wodurch die Stimmung kippen kann. Wir sollten also stets schauen, ob noch alles (oder das meiste) im grünen Bereich ist.

Ist dem nicht so, ist nicht automatisch Alarmstufe Rot. Wesentlich häufiger als ernsthafte Auseinandersetzungen sehen wir ein Kräftemessen zwischen Hunden.


Spiele beenden? Wenn ja, wie?

Was tun, wenn „rote“ Verhaltensweisen überwiegen? Oberstes Gebot: Ruhig bleiben!

Safety first!

Wir sind immer auf der sicheren Seiten, wenn wir Menschen uns einschalten und unschöne Spielszenen beenden.
Es kann sinnvoll sein, wenn wir gut geübt sind im Lesen der Hunde und diese gut trainiert sind, noch einen Moment länger zu warten, vor allem wenn die Erregung der Hunde nicht zu hoch ist, viel Platz für die Hunde zum Ausweichen vorhanden ist und Barrieren verfügbar sind, die die Hunde zum Beispiel bei Rennspielen zwischen sich bringen können.

Schreiten wir immer zu früh ein, kann es sein, dass wir genau damit unseren Hunden vermitteln, dass die Situation wirklich ganz schlimm war und wir helfen mussten, was zu einer nachträglichen Neubewertung der Situation durch die Hunde führen kann – vor allem für die im Spiel (oder im Kräftemessen) unterlegenen Hunde. Aber auch für die Überlegenen.
Dies kann als Lernerfahrung weitere soziale Kontakte stark beeinflussen.

Spiel moderieren

In vielen Fällen reicht es, wenn wir Menschen uns moderierend ins Hundespiel einbringen, sobald die Erregung ansteigt und die kritischen Verhaltenselemente häufiger werden:

Wir können ruhig loben, die Erregung mit dem Entspannungssignal beeinflussen oder auch mit einem Non-food-Marker erwünschtes Verhalten einfangen (und auch hier natürlich loben).

Die Veränderungen eines Hundes übertragen sich in den allermeisten Fällen auch auf den Spielpartner, der mit einem Marker- oder Entspannungssignal nichts anzufangen weiß. Meist gelingt es den Hunden dadurch, sich selber aus dem Kontakt zu lösen und Pausen einzuleiten oder wieder in schönes Spiel zurückzufinden.

Abstand und in Bewegung kommen

Was wir Menschen keinesfalls tun sollten, ist, uns direkt neben die Hunde zu stellen und zu moderieren. Wir halten besser Abstand, machen den Raum für die Hunde nicht zu eng für Kommunikation. „Einkreisen“ kann Situationen eskalieren lassen, weil kein Platz zum Ausweichen für die Hunde ist.

Wir können uns bewegen. Optimalerweise bewegen sich beide Hundehalter in verschiedene Richtungen, während sie ihre Hunde ansprechen. So gelingt es Hunden eher, ebenfalls in verschiedene Richtungen auseinanderzugehen und den Kontakt selber zu unterbrechen.

Wer bekommt den Platzverweis?

Sieht es für uns Menschen nach einer kritischen Situation aus, neigen wir dazu, die unterlegenen Hunde zu motivieren, zu uns zu kommen, damit wir sie schützen können. Das wäre eine ungünstige Lernerfahrung (s.o.).

Wenn wir meinen, eine Situation schnell beenden zu müssen, weil wir vorher nicht rechtzeitig reagiert haben, so wird immer der Hund abgerufen, der überlegen ist, wenn wir einen solchen Hund ausmachen können.

Schimpfen, scharf ausgesprochene Worte u.ä. sollte dabei vermieden werden.

Ich rufe lieber meinen eigenen Hund freundlich ab, als dass ich darauf warte, dass die Stimmung des Gegenübers bei zufälligen Begegnungen völlig kippt, weil der andere Hundehalter sauer wird und seinen Hund anbrüllt (und dabei meistens auch noch körpersprachlich bedrohlich wirkt).

Auseinandergehen

Können wir nicht erkennen, wer besser abgerufen wird, oder lässt sich ein Hund nicht abrufen, empfiehlt es sich, dass beide Hundehalter ihre Hunde freundlich (!) ansprechen, ihnen mitteilen, dass sie nun gehen und die Körper (inklusive der Füße!) von den Hunden in entgegengesetzte Richtungen wegdrehen. So gehen die Halter auseinander, und ggf. werden die Hunde erneut abgerufen.

Andere Varianten: Trainierte Signale

Es kann versucht werden, mittels Umorientierungssignal brisante Situationen zu entschärfen. Oft reicht es im ersten Schritt aus, wenn die Ohren der Hunde zum Halter ausgerichtet werden. Allein dies deeskaliert bereits. Oft wird dabei aber auch der Blickkontakt zum Gegenüber unterbrochen. All das kann gemarkert und gelobt werden.

Ein gut aufgebautes Signal, bei dem der Hund sich selber zurücknimmt (und hierzu den Körperschwerpunkt nach hinten verlegt), kann ebenso eingesetzt werden.

Man kann Hunden auch beibringen, auf Signal den Kopf zu senken, was ebenfalls deeskalierend wirkt.


Spiel beendet – Alles gut?

Nachdem die Hunde zu ihren Haltern gekommen sind und angeleint wurden, empfiehlt es sich, die Erregung beider Hunde noch vor Ort herunterzufahren und gemeinsam etwas parallel oder abwechselnd hintereinander zu gehen. So bleiben sich die Hunde nicht in aufgeregter Erinnerung.

Es sind auch Entspannungsübungen (Isometrische Übungen, Einsatz einer Entspannungsdecke) oder entspannende Aktivitäten wie Leckerchensuche im Gras in ausreichendem Abstand zueinander hilfreich.


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