Dein Welpe beißt ständig in Deine Hände, zwickt in Füße oder hängt beim Spielen plötzlich an Deiner Hose?
Dann bist Du definitiv nicht allein. Fast alle Welpenbesitzer erleben diese Phase. Und ja – manchmal tut sie buchstäblich weh. Viele Menschen erschrecken in dieser Zeit und fragen sich: Warum macht mein Welpe das? Habe ich etwas falsch gemacht? Die gute Nachricht ist: In den meisten Fällen ist dieses Verhalten völlig normal. Welpen erkunden ihre Welt mit den Zähnen und müssen erst lernen, wie vorsichtig sie mit Menschen umgehen sollen.
In diesem Artikel erfährst Du, warum Welpen beißen, was hinter dem Zwicken steckt, weshalb Überdrehen oft eine Rolle spielt und wie Du Deinem Welpen ruhig zeigen kannst, dass Menschenhaut kein Kauspielzeug ist.
Warum Welpen überhaupt beißen
Welpen benutzen ihre Zähne für fast alles. Sie erkunden damit ihre Umwelt, spielen mit ihren Geschwistern und lernen dabei gleichzeitig wichtige soziale Regeln. Wenn Welpen miteinander spielen, wird gerangelt, gezerrt und gezwickt. Wird es zu heftig, quietscht der andere Welpe oder beendet das Spiel. So lernen sie Schritt für Schritt, wie fest sie zubeißen dürfen. Dieses Lernen nennt man Beißhemmung.
Das Problem ist nur: Dein Welpe hat dies zunächst im Umgang mit anderen Hunden gelernt – nicht mit Menschen. Deshalb muss er erst verstehen, dass unsere Haut deutlich empfindlicher ist.
Beißhemmung muss Dein Welpe auch bei Menschen lernen
Wenn Dein Welpe Dich beim Spielen zu fest zwickt, kannst Du ihm helfen zu verstehen, dass das zu viel war. Ein kurzer Laut wie ein „Aua“ und Hände wegnehmen reicht oft schon. Das Spiel pausiert ganz kurz.
Nach einigen Sekunden kannst Du wieder ruhig Kontakt aufnehmen. Viele Welpen verstehen relativ schnell, dass zu festes Zwicken dazu führt, dass das gemeinsame Spiel endet.
Wichtiger als ein „Aua“ ist jedoch, das Spiel sowie Deinen Welpen gut zu beobachten. Denn hinter dem Zwicken steckt kein „Ungehorsam“, sondern häufig ein zu hoher Erregungslevel. Viele Welpen drehen beim Spielen schnell auf und verlieren dann ein Stück weit die Kontrolle über sich.
Wenn Dein Welpe beim Spielen zu wild wird
Ein häufiger Grund für Beißattacken ist also ein zu hoher Erregungslevel. Viele Welpen drehen beim Spielen schnell auf. Sie springen, rennen, zwicken und werden immer wilder. In diesem Zustand fällt es ihnen schwer, sich zu kontrollieren.
Achte deshalb darauf, wie sich Dein Welpe während des Spiels verändert. Wird er immer schneller, hektischer oder fängt an zu springen und zu schnappen, ist das oft ein Zeichen dafür, dass die Aufregung gerade zu hoch wird. In solchen Momenten hilft es meist mehr, das Spiel rechtzeitig ruhiger werden zu lassen oder eine kleine Pause einzubauen, bevor Dein Welpe überhaupt zu fest zubeißt.
Das Ziel ist also nicht, den Welpen für das Zwicken zu „korrigieren“, sondern ihm zu helfen, gar nicht erst so hochzufahren, dass er sich nicht mehr gut kontrollieren kann.
Erst runterfahren – dann das Spiel beenden
Wenn Dein Welpe schon sehr aufgedreht ist, hilft es selten, das Spiel abrupt zu stoppen. Die Energie ist ja noch im Körper.
Besser ist es, das Spiel langsam ruhiger werden zu lassen.
Du kannst zum Beispiel langsamer spielen, Deine Bewegungen ruhiger machen oder zwischendurch kleine Futterstücke streuen. Auch schnüffeln lassen hilft vielen Welpen, wieder etwas runterzukommen.
So sinkt die Aufregung Schritt für Schritt. Danach kannst Du das Spiel entspannter beenden.
Wenn Dein Welpe in Füße oder Hosenbeine beißt
Viele Welpen lieben bewegte Ziele. Füße, flatternde Hosenbeine oder laufende Kinder wirken auf sie wie ein spannendes Spiel.
Für den Welpen sieht das aus wie eine Einladung zur Jagd.
In solchen Situationen hilft es oft, kurz stehenzubleiben oder die Bewegung zu unterbrechen. Zusätzlich solltest Du Deinem Welpen eine Alternative anbieten, zum Beispiel ein Spielzeug, in das er hineinbeißen darf.
Zu wenig Schlaf ist ein häufiger Auslöser
Ein Punkt wird im Welpenalltag oft unterschätzt: Schlaf.
Welpen brauchen unter anderem viel Ruhe – häufig mindestens 20 Stunden am Tag.
Fehlen diese Erholungsphasen, werden viele Welpen schnell überdreht. Sie wirken dann unruhig, springen viel herum und beginnen, häufiger zu zwicken oder zu beißen.
Das liegt nicht daran, dass sie frech sind. Ihr Nervensystem ist schlicht überlastet.
Gerade junge Welpen müssen erst lernen, zur Ruhe zu kommen. Dabei kannst Du sie unterstützen, indem Du bewusst ruhige Phasen im Alltag einbaust.

Achte auf die Auslöser
Beobachte einmal genauer, wann Dein Welpe besonders häufig beißt.
Mögliche Auslöser können sein:
Überdrehen beim Spielen
zu wenig Schlaf
sehr viele neue Eindrücke
Stress oder Überforderung
Wenn Du diese Situationen erkennst, kannst Du sie oft frühzeitig entschärfen.
Ruhige Beschäftigung kann helfen
Manche Welpen profitieren sehr von ruhigen Aktivitäten. Dazu gehören etwa kleine Futtersuchspiele, Kekse im Handtuch verstecken oder Schnüffelspiele.
Solche Beschäftigungen helfen vielen Welpen, ihren Erregungslevel wieder zu senken.
Auch ruhige Spaziergänge, bei denen Dein Welpe einfach schnüffeln und die Umgebung erkunden darf, können sehr wertvoll sein.
Wann Unterstützung sinnvoll sein kann
Manchmal fühlen sich Welpenbesitzer in dieser Phase sehr erschöpft. Gerade wenn der Welpe ständig beißt, kann der Alltag schnell anstrengend werden. In solchen Fällen kann es sehr hilfreich sein, gemeinsam mit einer Trainerin oder einem Trainer auf die Situation zu schauen.
In meinen Welpenkursen in Kassel arbeiten wir genau an solchen Alltagssituationen. Welpen lernen dort Schritt für Schritt, sich auch in aufregenden Momenten besser zu regulieren – und Menschen bekommen ein besseres Gefühl dafür, wie sie ihre Hunde dabei unterstützen können.
Fazit
Dass Dein Welpe zwickt oder in Hände beißt, gehört zu seiner Entwicklung dazu. Für ihn ist das zunächst ein ganz normales Spielverhalten.
Mit Geduld, klaren Grenzen und ausreichend Ruhephasen lernen die meisten Welpen relativ schnell, vorsichtiger mit ihren Zähnen umzugehen.
Und auch wenn diese Phase manchmal anstrengend ist: Sie geht vorbei.

